Mittwoch, 22. Juli 2020

Anlässlich des Kommentars von Henning zu dem Beitrag Miezi ist jetzt im Himmel, habe ich mich entschlossen nun doch noch einen Beitrag zu Miezi 2 zu schreiben.

Es war ein liebes, armes Straßenkätzchen, das in einer Ruine in Olhão sein Dasein fristete und das ich nur wenige Tage kennen und lieben durfte.

Verliebt

Es war am Freitag, dem 21. Februar 2020, als ich mit dem Fahrrad zurück zu meinem Wohnmobil wollte (war wohl einkaufen, weiß es aber nicht mehr genau).

In Olhão komme ich mit den Straßen nicht gut zurecht und so kam es, dass ich mich wieder einmal verfuhr und plötzlich in einer Sackgasse landete. Dort war gerade eine ältere Dame dabei ein paar Katzen zu füttern.

Als auch ein weiteres Kätzchen hinzu humpeln wollte (es konnte nur noch drei Beine benutzen), hat sie die alte Dame mit dem Fuß daran gehindert. Dazu muss ich einräumen, dass sie in der Hand noch Katzenfutter und einen Löffel oder ähnliches hatte und nicht sonderlich grob zu der Katze war. Dennoch tat es mir in der Seele weh, weil ich das respektlos gegenüber einem schwächeren, noch dazu behinderten Tier fand.

Ich sah auch, dass ihr Gesicht verkrustet war und ihr Schleim aus dem Maul triefte. Ich hatte bereits nach meinem Smartphone gegriffen und wollte den nächsten Tierarzt heraussuchen, als die alte Dame zu der Ruine ging, in der das arme Kätzchen "lebte" und ihr von dem restlichen Katzenfutter etwas auf einen Teller gab, der dort stand.

So hatte ich den Eindruck, dass sie sich um die Katze kümmert und der Zustand wohl nicht so schlimm wäre, wie es den Anschein hatte. Also fuhr ich zunächst wieder nach Hause.

Dort angekommen, lies mir die arme Maus aber keine Ruhe mehr und ich beschloss noch einmal hinzufahren. Soweit ich mich erinnere, war das nicht mehr am selben, sondern erst am nächsten Tag und ich nahm auch Katzenfutter mit.

Sie war etwas scheu und ließ sich von mir nicht streicheln. Auch das Katzenfutter hat sie kaum gegessen (war wohl nicht ihre gewohnte Sorte). Dazu bemerkte ich, dass sie Schmerzen beim Fressen hatte. Offenbar war ihr ganzer Mund schwer entzündet.

Die nächsten Tage fuhr ich immer wieder hin, nahm frisches Wasser und Kamillentee mit, um damit etwas ihre Entzündungen zu lindern. Langsam gewann ich ihr Zutrauen und nun lies sie sich tatsächlich auch von mir streicheln und säubern.

Und da hat es mich dann erwischt: Ich nahm mir vor, das Kätzchen in meinem Wohnmobil gesund zu pflegen und es danach an jemanden zu vermitteln, weil Autofahren bei Katzen nach meinen bisherigen Erfahrungen nicht wirklich beliebt ist.

Doch in mir wusste ich, dass es kaum möglich sein würde, ein altes, behindertes Kätzchen erfolgreich an jemanden zu vermitteln, der es auch nur annähernd so lieb gehabt hätte, wie ich. Also freundete ich mich bereits mit dem Gedanken an, in Kürze wieder eine neue Mitbewohnerin zu haben.

Vermisst

Am Freitag lief ich dem armen Geschöpf das erste Mal über den Weg und am darauf folgenden Mittwoch sah ich es zum letzten Mal. Am Donnerstag Vormittag fragte ich die Anwohner, ob sie wüssten, wo das Kätzchen geblieben sein könnte.

Dabei erfuhr ich, dass sie wenigstens 10 Jahre alt war und zu der Fabrik gehörte, die jetzt nur noch eine Ruine ist. Als die Fabrik zumachte, haben sie das Kätzchen wohl einfach sich selbst überlassen.

Weil sie ja nicht mehr richtig laufen konnte, ist es unwahrscheinlich, dass sie weggelaufen ist, noch dazu, wo sie hier mit dem Nötigsten versorgt wurde.

Als sie auch am Nachmittag nicht an ihrem gewohnten Platz zurückgekehrt war, machte ich mir ernsthafte Sorgen, hoffte aber zugleich, dass sich jemand über das Kätzchen erbarmt und es mit nach Hause genommen, bzw. zu einem Tierarzt gebracht hat. Doch wollte ich darüber Gewissheit haben und erstellte noch am selben Tag ein Vermisstenplakat , das ich am Freitag Vormittag in ihrer Umgebung aufhing. Der Text in Deutsch lautete in etwa:

Katze verschwunden

Die oben abgebildete Katze ist behindert und lebte bis zum 25.02.2020 in der Rua Raul Brandão.

Sie ist ungefähr 10-15 Jahre alt und braucht dringend Hilfe. Wer weiß, was mit ihr passiert ist?

Bitte melden Sie sich per E-Mail oder WhatsApp / SMS, da ich kein Portugiesisch spreche.

Zusätzlich fuhr ich zu drei Tierärzten und fragte nach ihr und gab ein Inserat in einem Onlineportal für vermisste Tiere auf.

Verstorben

Es war glaube ich noch am selben Tag, spät Abends, als mich jemand über WhatsApp anschrieb. Er oder sie hat das Kätzchen halb tot auf dem Bürgersteig liegen sehen und zum Tierarzt gebracht, wo es verstorben ist.

Eigenartig daran ist, dass es der Bürgersteig auf der anderen Seite der Ruine war, nicht der, welcher sich in der Nähe ihres Aufenthaltsortes befand. So überkam mich gleich wieder der Gedanke, dass sich jemand daran gestört hat, dass ich mich jeden Tag eine Stunde und länger um das verwahrloste Tier gekümmert habe und ihm Gewalt angetan hat, damit das aufhört.

Schließlich hat sie - wenn auch unter Schmerzen - noch gefressen und machte nicht den Eindruck, als stünde sie kurz vor dem Ende.

Die Botschaft, die mein Verhalten ausgesendet haben könnte, wäre zum Beispiel: "Hey, wir lassen uns hier nicht von einem Ausländer vorhalten, dass wir uns um das bemitleidendswerte Kätzchen nicht ausreichend gekümmert haben."

Den Tierarzt, zu dem sie gebracht wurde, kannte ich, hatte dort aber nicht nachgefragt, weil es von außen so aussah, als wäre er permanent geschlossen (bin dort bereits mehrmals vorbeigefahren und immer waren die Gitterrollos aller Fenster heruntergelassen).

Mir kam dann die Idee eine Erinnerungstafel anzubringen, um die Menschen, die jeden Tag achtlos an dem armen Geschöpf vorbeigegangen sind, auch weiterhin auf die Not um sie herum aufmerksam zu machen:

Ruine von außen

Sinngemäß soll der Text heißen: "In Erinnerung an ein liebes Straßenkätzchen. Verstorben am 25.02.2020".

Falls Du einmal nach Olhão kommen solltest, würde ich mich freuen, wenn Du dort vorbeischaust und mir mitteilst, ob die Tafel noch dort hängt.

Ansichten in Google Maps:

Schlussgedanken

Wie ich in dem Beitrag Miezi ist jetzt im Himmel bereits geschrieben hatte, wollte ich eigentlich kein Tier mehr bei mir aufnehmen, insbesondere nicht, weil das Problem mit dem Autofahren inkl. geeigneter Stellplatzsuche besteht und auch meine finanzielle Situation nach wie vor angespannt ist.

Doch die Liebe hat über den Verstand gesiegt und ich hätte diese Gesichtspunkte übergangen, um dem armen Tier zu helfen. Dabei war mir wirklich das Tier wichtiger, als mein Bedürfnis ihm meine Liebe zu geben. Hätte sie sich wieder gut erholt und ich den Eindruck gehabt, dass sie wieder lieber in ihre Ruine zurück will, so hätte ich sie wieder dorthin entlassen.

Klar ist aber auch, dass das Grenzen hat, denn selbst mit Miezi 1 war das Autofahren teilweise sehr stressig. Wenn ich mir jetzt vorstelle, dass zwei, drei oder noch mehr Kätzchen dort herumwuseln, so müsste mein Verstand über das Herz siegen, weil das sonst auch zur Gefährdung anderer werden würde.

Das mobile Leben ist zweifellos ein starker Nachteil, möchte man sich um verwahrloste Tiere kümmern. Auf der anderen Seite würde man - je nach Wohnort - kaum bis gar nicht in Kontakt mit solchen Tieren kommen.

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