Montag, 24. Oktober 2016

Bereits in Deutschland habe ich mich auf der Plattform workaway.info nach Möglichkeiten umgesehen in Spanien einen privaten Stellplatz zu finden, mich jedoch noch nicht dort angemeldet.

Wie kam ich zu workaway.info?

Bevor ich mich dazu entschlossen hatte nach Spanien zu fahren, informierte ich mich längere Zeit über das Land und bin dabei irgendwann über das Thema "Haussitter" gestolpert. So wie jemand bei Abwesenheit der Eltern auf ein Baby aufpasst (Babysitting), so passen "Haussitter" bei Abwesenheit der Eigentümer auf das Haus auf. Sie halten alles sauber und ordentlich, kümmern sich um den Garten und eventuelle Haustiere und dürfen als Gegenleistung kostenlos das Anwesen benutzen.

Ich dachte bei mir, dass ich dafür ganz gut geeignet sei, da ich Sauberkeit und Ordnung und auch Tiere liebe. Ein Pluspunkt sollte sein, dass ich nicht einmal das Haus bewohnen muss, weil ich in meinem Wohnmobil lebe. Bei der Suche nach konkreten Angeboten wurde ich auf workaway.info aufmerksam und habe mich dort umgesehen.

Bis zum heutigen Tag (24.10.2016) hat die Plattform allerdings nur rund 26.000 Gastgeber, die sich auf alle Länder dieser Erde verteilen. Sehr viele von diesen Gastgebern haben einen esoterischen Hintergrund und kommen für mich nicht in Frage (oft werden Yogalehrer etc. gesucht). Ein weiterer Brocken entfällt auf Sprachunterricht und das Hüten von Kindern (beides auch nicht mein Fall).

Erschwerend kommt noch hinzu (insbesondere für Nutzer mit begrenztem Datenvolumen), dass man von Zeit zu Zeit immer wieder selbst nach Angeboten suchen muss. Jeder freiwillige Helfer hat zwar ein eigenes Profil, das sich die Gastgeber ansehen können, aber wenn keiner Angebote bzw. Profile liest, dann findet niemand zueinander.

Das Problem bei der Suche ist, dass immer wieder die bereits gelesenen und für einen selbst nicht in Frage kommenden Angebote aufgelistet werden. Ich habe beim Support den Verbesserungsvorschlag gemacht, man möchte eine Art "Alarmfunktion" programmieren, bei der man die Kriterien für ein Angebot festlegen kann und dann automatisch informiert wird, sobald ein entsprechendes Angebot eingestellt oder aktualisiert wird. Jedoch ist diese Funktion leider nicht umgesetzt worden.

Nachdem in den letzten Monaten zudem gar keine Anfragen mehr kamen, habe ich das Interesse an der Plattform etwas verloren und sehe nur noch selten rein. Für eine Verlängerung meiner Anmeldung im Herbst wüsste ich aktuell keinen Grund. Vermutlich werden wieder 29,- Euro für ein Jahr fällig, was auch nicht gerade wenig ist.

Positiv gegenüber Mitbewerbern ist hervorzuheben, dass die Seite mobilfreundlich gestaltet ist. Bei HelpX z. B. wurde der Trend komplett verschlafen und wer heute Geld mit einer Internetseite verdienen will, der sollte so etwas seinen Besuchern und Anwendern wirklich nicht mehr zumuten.

Aktualisierung vom 21.05.2017: Ich stehe nun seit gut einer Woche in Portugal und habe noch keinen Platz gefunden, der für einen längeren Aufenthalt geeignet ist.

Auf öffentlichen Plätzen möchte ich nicht lange stehen bleiben, weil ich den Eindruck habe, dass das in Portugal nicht gerne gesehen wird.

Um aber von einem Platz zum anderen zu fahren, bzw. eventuell einmal eine zeitlang auf einem Campingplatz zu bleiben, fehlt mir aktuell das Geld.

Daher suche ich über workaway.info jetzt einen Gastgeber, bei dem ich privat stehen kann, bis ich wieder ein regelmäßiges Einkommen habe.

Aktualisierung vom 04.09.2017: Ich war Anfang Juni für gut eine Woche bei Happy Donkeys als Helfer, allerdings passte das dort nicht, weil ich u. a. noch viel eigene Arbeit hatte. Für die Arbeit bei Happy Donkeys (immerhin 4-5 Stunden täglich) erwartete ich Vollverpflegung, die nicht angeboten werden konnte.

Wer mich "vollverpflegen" muss, der kommt mit ca. 100,- bis 125,- Euro pro Monat aus, sofern er alles selbst kaufen muss. In der Regel arbeitet man die erwähnten 4-5 Stunden pro Tag fünf Tage in der Woche. Das macht zusammen 80 bis 100 Stunden pro Monat. Rechne ich das jetzt auf meine Verpflegungskosten um, so arbeite ich für 1,25 bis 1,56 Euro die Stunde.

Dazu kommt, dass ich keinen Wohnraum belege und so gesehen schon ein günstigerer Helfer bin, als die üblichen Reisenden. Da ist es das Mindeste, was ich erwarte, dass ich nicht kochen muss und soviel essen darf wie ich möchte.

Manche Gastgeber bieten lediglich eine Unterkunft an, die sie so gut wie nichts kostet. Hier wird das System von workaway für billige Arbeitskräfte missbraucht.

Auf der anderen Seite gibt es Reisende, die faul sind und die Gastfreundschaft ausnutzen. Dem kann man aber relativ früh einen Riegel vorschieben, in dem man sie hinauswirft.

Aktualisierung vom 09.10.2017: Heute kam eine Erinnerungs-E-Mail, dass mein Abo ausläuft.

Im Betreff steht: "Your subscription to Workaway ends in two weeks", im E-Mail-Text heißt es: "Your subscription is coming to an end tomorrow!". Nachdem ich am 10.10.2016 noch in Deutschland war, ist die Angabe im Betreff die richtige.

Weiter steht in dieser in HTML-Format verfassten E-Mail: "To renew please login and go to your 'My account' page here:". Allerdings ist der "Link", der zum Login führt, nur Text und kann nicht angeklickt werden (vielleicht auch besser so, denn er führt ohnehin nicht direkt zur Loginseite).

Auch seien die Kosten höher geworden, sehe ich mir jedoch die Seite an, so steht dort immer noch "29,- Euro".

Es werden dann noch ein paar uralte Funktionen genannt, die angeblich im letzten Jahr hinzugekommen sind.

Sieht für mich so aus, als hätte man den Text schon seit der letzten Preiserhöhung (die ja vor meiner Registrierung gewesen sein muss) nicht mehr aktualisiert.

Ok, ich habe zurzeit nicht einmal den verminderten Preis von 23,- Euro für bestehende Kunden für eine Verlängerung übrig, aber bei so viel Murks vergeht es einem auch überhaupt Geld für so einen Dienst zu bezahlen.

Chaos in Terrateig

Bei meinen Recherchen zu Spanien las ich auch immer wieder, dass viele Camper frei stehen. Bei etlichen handelt es sich aber um Wohnmobile mit Allradantrieb, die nicht auf feste Wege und Straßen angewiesen sind.

Solche Stellplätze kann ich leider nicht anfahren. Um Ärger beim längeren Stehen auf öffentlichen Straßen zu vermeiden, versuchte ich daher einen privaten Stellplatz über workaway.info zu finden und gelangte so in die Nähe von Terrateig zu einem pensionierten Immobilienmakler.

In seinem Angebot auf workaway.info sah ich auf einem Bild einen relativ großen, freien Platz, auf den ich mich stellen wollte. Erst später erfuhr ich, dass dieser Platz hinter einer Mauer mit einer schwer zu befahrenden Einfahrt lag und es dort wie auf einem Bauernhof zuging (die Tiere störten mich allerdings nicht).

Als es dem Makler finanziell noch besser ging und er über seinen Beruf immer wieder an Tiere gelangte, die keiner mehr haben wollte, nahm er sie bei sich auf und kümmerte sich um sie. Er besitzt ein großes Haus auf dem Land mit einem relativ großen Grundstück mit Ställen für die Tiere und einer kleinen Koppel für zwei Pferde.

Doch war es nicht leicht einen geeigneten Stellplatz bei ihm für mein Wohnmobil zu finden, das rund 8 m lang, 2,5 m breit und 3,6 m hoch ist. Sein Hof kam für mich zuerst nicht in Frage (siehe zuvor) und so zeigte er mir einen Platz in der Nähe seines Grundstücks.

Ich stand dort allerdings keine halbe Stunde, als ein Arbeiter zu verstehen gab, dass er den Sandrest, der nebenan lag, mit seinem Bagger wegfahren möchte. Also fuhr ich ca. 100 m weiter vor das Nachbargrundstück des Maklers, da die Eigentümer die nächste Zeit nicht da sind. Dort stand ich unter einem großen Baum, der mir den Lichteinfall auf meine Solarzellen verdeckte.

In der Nacht bellte nebenan (keine 5 m Luftlinie) ein Riesenbernhardiener immer wieder. Auch die Hunde vom Makler gaben selten Ruhe und so konnte ich nur schwer Schlaf finden. Daher machte ich mich am Folgetag mit meinem Fahrrad daran die Umgebung nach einem besseren Stellplatz zu erkunden.

Da dort viele Mandarinenhaine waren und auch anderes Obst angebaut wurde, es dazu sehr bergig, teilweise recht eng war, konnte ich einfach keinen geeigneten Platz finden.

Beim Spazierengehen ging ich jedoch bei einem anderen Nachbargrundstück vorbei und sah dort ein verfallenes Gebäude, das etwas Sicht- und Lärmschutz zur Straße hin bot. Das Grundstück machte einen verwaisten Eindruck und ich fragte den Makler, ob ich mich nicht dorthin stellen könnte.

Er meinte, dass das Grundstück jemanden aus Valencia gehöre der es für 300.000,- Euro verkaufen wolle und so gut wie nie hier sei, da es viel zu teuer ist und es daher keine Interessenten gibt. Also stellte ich mich dorthin:

Wohnmobil hinter verfallenem Gebäude aus Ziegelsteinen

Ein guter Platz war das auch nicht, weil gegenüber die Autobahn verlief (siehe Bilder zuvor), aber das Beste, was in der unmittelbaren Umgebung des Maklers zu finden war. Nachts war auf der Autobahn nur noch wenig Verkehr, so dass ich dennoch relativ gut schlafen konnte. Doch lange währte mein Glück dort nicht.

An Allerheiligen (gibt es auch in Spanien) kam der Eigentümer des Grundstücks mit seiner Familie hierher, um Blumen an einem Grab abzulegen und erfuhr dabei, dass ich auf seinem Grundstück schon ein paar Tage gestanden hatte. Er kam dann zu mir und forderte mich in Englisch auf, sein Grundstück innerhalb von 30 Minuten zu verlassen. Ich sagte, dass das kein Problem sei und packte zusammen.

Leider war der Mann sehr aufgebracht und so unternahm ich nicht den Versuch mit ihm zu reden. Als Gegenleistung für den Stellplatz hätte ich mich etwas um sein Grundstück kümmern können, das es dringend nötig gehabt hätte. Dass ich den Müll rund um den Stellplatz herum weggebracht hatte, ist ihm offensichtlich auch nicht aufgefallen.

Ich rief den Makler an und er meinte, ich solle mich jetzt doch bei ihm in den Hof stellen, was mir bei dem Gedanken an seine enge Hofeinfahrt etwas Unbehagen bereitete (siehe Bild unten). Angeblich sind schon viel längere LKW, als der meinige, rein- und rausgefahren, allerdings kam ich nur mit Mühe hinein und mit noch mehr Mühe später wieder heraus. Im Hof stand ich dann (etwas schief) mitten unter den Tieren auf nicht befestigtem Boden. Tagsüber kamen Schweine, Ziegen, Hühner und vor allem Katzen zu Besuch, was ich ganz witzig fand.

Enge Straße mit Hofeinfahrt

Die ca. 30 Katzen machten es aber nicht möglich, dass mein eigenes Kätzchen nach draußen konnte. Ich unternahm zweimal den Versuch mit ihr, aber verständlicherweise versuchte sie ihr Territorium (das Wohnmobil) gegen die vermeindlichen Eindringlinge zu verteidigen.

Ja, den Lärm von der Autobahn bin ich durch den neuen Platz ziemlich los geworden, doch die Hunde gaben in der Nacht wenig Ruhe. Nach ca. 2 Wochen verspürte ich den Drang den Wagen zu waschen und auch Besorgungen in Gandia zu machen. Also manövrierte ich den LKW mit viel Geduld vorsichtig aus der Einfahrt heraus.

In dem Moment war mir auch klar, dass ich da nicht noch einmal hineinfahren würde (ist mir einfach zu stressig). Das Problem mit dem Platz im Hof war auch, dass ich jedes Mal, wenn ich auch nur zu Fuß raus bzw. wieder hinein wollte, den Makler rufen musste, weil das Tor von innen abgeschlossen war. Da kommt man sich etwas wie ein Gefangener vor.

Als die Besorgungen erledigt waren, stellte ich mich vor das Haus des Maklers, das direkt an einer wenig befahrenen Landstraße lag. Der Wagen passte geradeso von der Breite her hin (siehe Bild unten) und ich konnte dort sogar das WLAN vom Makler empfangen.

Der relativ gute Platz hatte aber einen lauten Preis: Diesmal stand ich noch näher an der Autobahn und nun auch noch ohne einem etwas schützenden Gebäude dazwischen. Das war schon echt nervenaufreibend. Auch die Katze konnte nicht raus und so waren meine Tage dort gezählt:

Wohnmobil steht auf Seitenstreifen neben einer Landstraße

Warum ich nicht einfach weitergefahren bin? Wie schon erwähnt, hat der Makler wenig Geld und muss eine Vielzahl von Tieren versorgen. Als er hörte, dass ich Internetseiten programmiere, kam er auf die Idee, ich solle ihm eine Seite einrichten, auf welcher er um Spenden für seine Tiere bitten kann. Ich sagte zu und machte mich an die Arbeit. Als Gegenleistung erhielt ich täglich eine warme Mahlzeit.

Ich hätte auch drei bekommen, jedoch haben die Spanier eine etwas andere Zeiteinteilung, als wir: Gefrühstückt wird gegen 10:00 Uhr (zumindest bei dem Makler), Mittagessen gibt es zwischen 15:00 und 16:00 Uhr und zu Abend wird zwischen 20:00 und 21:00 Uhr gegessen. Da ich früh aufstehe und auch früh zu Bett gehe, nahm ich nur am Mittagessen teil.

Nach rund zwei Wochen war die mehrsprachige Seite soweit fertig und ging online (die Seite wurde auf Wunsch des Maklers inzwischen wieder vom Netz genommen; wer ihm etwas spenden möchte, kann von mir seine Bankverbindung bzw. PayPal-Adresse erfragen).

Erst danach fuhr ich weiter Richtung Süden, weil es Nachts hier noch viel zu kalt war (das Thermometer fiel nicht selten auf 6°). Zwar wurde es zum Nachmittag hin wieder angenehm warm, allerdings nicht in meinem isolierten, zum Teil im Schatten stehenden LKW.

So hatte es Vormittags oft nur 10° oder weniger im Aufbau, was ohne Heizung trotz viel Kleidung nicht leicht zu ertragen war. Hinzu kam, dass ich die meiste Zeit am Computer sitze und mich wenig bewege. Die Finger waren also immer kalt und auch die Nase lief häufig. Nein, das waren nicht die Umstände, die mich zu dieser weiten Reise bewegt hatten und so ging es einige Zeit später weiter in Richtung Andalusien.

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