Montag, 19. August 2019

Nach gut 2 Jahren und 3 Monaten Aufenthalt in Portugal ging es heute wieder zurück nach Spanien.

Der erneute Landeswechsel war schon länger geplant, konnte jedoch aufgrund einer Fußverletzung nicht umgesetzt werden.

Warum wieder nach Spanien?

Da fallen mir ein paar praktische Gründe ein, den Ausschlag gab jedoch mein Bauchgefühl. Die praktischen Gründe sind:

  • Schwierige Sprache
  • Schwierige Portugiesen
  • Streik in Portugal
  • Weniger Kosten für Internet in Spanien
  • Normale Zeitzone

Schwierige Sprache

Ich habe bestimmt keine Begabung für Fremdsprachen, fing jedoch noch vor meiner Abreise aus der BRD damit an Spanisch zu lernen.

Nun ja, die Erfolge waren mäßig, aber die Sprache hat mich nicht abgestoßen und ich empfand (und empfinde) sie nicht als schwer erlernbar.

Als ich dann mehrere Wochen mit einer App Portugiesisch lernte, sah das doch deutlich anders aus. Bisher habe ich auch noch niemand getroffen, der meinte, dies wäre eine relativ einfach zu lernende Sprache.

Das Hauptproblem, das ich dabei hatte, war die Tatsache, dass man häufig überhaupt nicht von der Schreibweise auf die Aussprache schließen kann, was im Spanischen doch eher der Fall ist. Auch die Aussprache selbst ist nicht einfach. So verlor ich nach einiger Zeit wieder das Interesse daran und fing noch in Portugal an wieder Spanisch zu lernen.

Schwierige Portugiesen

Zugegeben: Viele Portugiesen habe ich nicht persönlich kennengelernt, aber die wenigen, bei denen das der Fall war, waren recht stolz, machten keine Fehler und waren daher auch recht beleidigt, wenn man sie kritisierte.

Auch ist es ihnen offenbar fremd direkt miteinander offen zu sprechen. Das geht alles hinten herum und (wenn man Glück hat) erfährt man von Dritten, was man verkehrt gemacht hat. Sie lachen dir freundlich ins Gesicht, denken aber, dass du ein altes A...loch bist.

Streik in Portugal

In Portugal streikten die Fahrer von Gefahrguttransporter die letzte Woche, so dass es zu Engpässen an den Tankstellen kam. Manche wurden schon vor dem offiziellen Streikbeginn leergetankt.

Als ich mich auf den Weg von Quarteira nach Faro machte, um einen Portugiesen zu besuchen, den ich 1 Jahr zuvor dort kennengelernt hatte (lebt in einem kleinen Transporter), bemerkte ich eine Schlange an einer Tankstelle und wunderte mich noch im Vorüberfahren darüber, weil die Preise nicht niedriger waren als sonst.

Apropos Preise: Als ich vor über 2 Jahren von Spanien nach Portugal fuhr, bekam ich einen kleinen Schock, als ich feststellte, dass der Diesel rund 30 Cent pro Liter teurer war.

In Faro angekommen, kam dann der Bekannte darauf zu sprechen und meinte, dass in Faro nur noch 1 Tankstelle geöffnet hat. Nun, das hat so nicht gestimmt, weil es insgesamt drei waren, die während dieses Energienotstandes geöffnet hatten.

In Faro bin ich mit einer auf Null stehenden Tankanzeige angekommen und wollte aber weiter nach Tavira . Daher fuhr ich eine der Nottankstellen an und sah dort eine Kamera aufgebaut, die offenbar von einem Fernsehsender stammte und auf die Zapfsäulen gerichtet war.

Es waren unübersehbare Plakate angebracht, dass pro Fahrzeug nur 15 Liter getankt werden durften und die Fernsehleute wollten offenbar die endlos langen Schlangen filmen, die ich bereits ein paar Tage zuvor gesehen hatte.

Doch an dieser Tankstelle herrschte (abgesehen von der Spritlimitierung) Normalbetrieb. Vor mir waren zwei Autos, von denen eines schon fertig war und zur Kasse fuhr. Durch die Beschränkung ging auch der Tankvorgang meines Vordermanns relativ schnell vonstatten und so war ich nach ein paar Minuten an der Reihe.

Für portugiesische Verhältnisse und für die Tatsache, dass ein Streik war, war der Sprit an der Tankstelle recht günstig (1,279 Euro / Liter). Mir kam der Streik und die Limitierung ganz gelegen, weil ich kaum Geld für Diesel hatte und es mir daher nicht peinlich sein musste, mit so einem großen LKW nur ein paar Liter zu tanken.

Ich vermutete, dass die Abgabemenge auch mechanisch begrenzt war, aber nach dem Erreichen der 15 Liter-Marke wurde der Hahn nicht zugedreht, sondern lief weiter. So machte ich den Betrag auf runde 20,- Euro voll und bekam dafür 15,64 Liter Diesel.

Der Streik ist vorerst wieder beendet und ich fahre im Normalfall auch nicht viel, weshalb das kein wichtiger Grund für mich war, das Land zu wechseln. Ich wollte nur meine Gedanken mitteilen.

Weniger Kosten für Internet

Obwohl das Internet in Portugal unschlagbar preiswert ist, werde ich künftig weniger Geld dafür ausgeben müssen.

Der Grund dafür ist, dass ich für 30 Tage Internet bei meiner Prepaidkarte von MEO immer 20,- Euro pro Monat bezahlen musste. Dafür gab es jedes Mal üppige 40 GB, die ich fast nie aufgebraucht habe.

Hier in Spanien kann ich bei simyo 12 GB / Monat für 12,50 Euro bekommen, was im Normalfall auch ausreichend ist. Wie bei MEO auch, wird unverbrauchtes Datenvolumen in den nächsten Monat mit übernommen.

Normale Zeitzone

Die Portugiesen leben 1 Stunde hinter der Mitteleuropäischen Zeit. Das ist jetzt kein Beinbruch, hat aber immer einmal für Verwirrung gesorgt. Z. B. beim Senden und Empfangen von E-Mails waren Zeiten angegeben, die zwischen 2 und 4 Stunden Unterschied ausmachten.

Auch beim Aufruf von manchen Internetseiten wurde steif und fest behauptet, mein Computer hätte eine falsche Systemzeit (was nicht stimmte) und mir den Zugang zu den Seiten verwehrt (dachten wohl, ich wäre ein dummer Hacker).

Das waren für mich nur Schönheitsfehler, die es mir nicht wert waren deren Ursache zu ergründen und abzustellen. Logisch waren diese Dinge für mich aber nicht.

Ein kleines Wunder

Ob es noch in Frankreich war oder bereits in Spanien, weiß ich nicht mehr, jedoch erinnere ich mich deutlich, dass ich auf einer endlosen, einsamen Landstraße unterwegs war und mir der Sprit ausging.

Das ist zwar schon fast drei Jahre her, aber ich war mir felsenfest sicher, dass dabei die Reserveleuchte der Tankanzeige bereits seit einigen 10 Kilometern aufleuchtete und ich schon damit rechnete liegen zu bleiben.

Zum Glück fand ich noch rechtzeitig eine versteckt gelegene Tankstelle und wurde so von dieser Unannehmlichkeit bewahrt.

Mit diesem "Wissen" im Gedächtnis, fuhr ich bereits von Quarteira aus nach Faro mit einer nahezu auf Null stehenden Tankanzeige, weil ich mir ausrechnete nach Aufleuchten der Reserveanzeige noch wenigstens 30, wenn nicht 50 Kilometer weiter bis zur nächsten Tankstelle fahren zu können.

In Faro tankte ich dann, wie oben bereits erwähnt, die erlaubten 15 Liter, fuhr damit nach Tavira und dort auch herum, weil ich einen geeigneten Stellplatz suchte. Den fand ich schließlich einige Kilometer außerhalb in einem neuen Industriegebiet.

In Google Maps suchte ich mir einen Stellplatz in Huelva in Spanien heraus, der ungefähr 80 Kilometer von Tavira entfernt liegt. Immer noch in dem Glauben, ich hätte nach Verbrauch der 15 Liter noch genug Reserve, um notfalls an eine Tankstelle fahren zu können, fuhr ich heute früh entspannt los.

Vorweg noch etwas Allgemeines zur Tankanzeige: Auch, wenn der Tank randvoll getankt wird, geht die Anzeige nie auf 100%, sondern bleibt bei ca. 90% stehen. Entsprechend lange bleibt sie aber auch in Nullnähe stehen, bzw. geht dort sehr langsam auf das Ende zu.

So fuhr ich in Spanien angekommen bereits noch auf der Autobahn mit einer Tankanzeige, die nichts mehr anzeigte. Nach dem Verlassen der Autobahn sagte das Navi noch 8 km Landstraße voraus, die ich natürlich auch mit Nullstellung weiterfuhr.

Am Zielort angekommen, stellte ich fest, dass es dort anders aussah, als bei Google Maps. Überall waren Bauzäune und den Stellplatz, den ich mir ausgesucht hatte, war ein großer gepflasterter Platz, der nicht für den Straßenverkehr, sondern für Fußgänger/Radfahrer gedacht war.

So fuhr ich noch etwas in dieser Gegend herum und fuhr noch einmal durch einen Kreisverkehr, als kurz danach der Motor zu stottern anfing und gleich danach ausging. Mit letzter Kraft kam ich in einer Wohnstraße auf den Randstreifen, der als Parkplatz ausgezeichnet war.

Ich war wirklich heilfroh, dass ich nicht im Kreisverkehr liegen geblieben bin. Das war zwar eine ruhige Gegend, hätte aber rechten Stress bedeutet. Wenn ein Diesel ausgeht, kann man nicht einfach Diesel nachfüllen und den Motor wieder starten, sondern muss das System entlüften, was unter Umständen zu Problemen führen und mehrere Stunden dauern kann.

Nun gut, ich fuhr erst einmal mit dem Rad zum Aldi einkaufen, weil ich weder Obst noch Gemüse hatte. Dort erlitt ich einen kleinen Kulturschock, weil ich es von Portugal gewöhnt war, dass die Läden (auch Lidl) aufgeräumt und übersichtlich waren.

Doch dieser Aldi machte einen gegenteiligen Eindruck. Als nächstes gab es noch einen Preisschock gratis dazu. Da ich im Grunde immer dasselbe einkaufe, kenne ich die Preise sehr gut. Für einen Bio-Reisdrink bezahlte ich in Portugal 99,- Cent / Liter. Hier in Huelva verlangen sie 1,49 Euro / Liter.

Mein veganes Fleisch kostet in Portugal 1,99 Euro / 200 Gramm. Hier 2,99 Euro. Einzig die vegane Wurst war um 13 Cent günstiger. Ich habe dennoch dankend verzichtet und kaufte nur Obst und Gemüse für insgesamt 5,53 Euro. Darunter Mandarinen für 2,89 Euro das Kilo. Die gab es in Portugal für 1,29 Euro (Sonderangebot) bis 1,99 Euro das Kilo. Auch Bananen sind deutlich teurer (1,89 Euro / Kilo zu 1,09 Euro / Kilo).

Zuhause angekommen, dachte ich es war wohl ein Fehler wieder nach Spanien zu fahren, aber so schnell werfe ich keine Entscheidungen um, insbesondere nicht, wenn der Auslöser dafür nicht praktische Gründe waren, sondern mein Bauchgefühl, auf das ich mich eigentlich immer verlassen kann.

Eigentlich habe ich Arbeit am Computer zu erledigen, aber ich wollte erst meinen Wagen wieder fahrbereit bekommen. Bevor ich mit dem Fahrrad zur Tankstelle fuhr, wollte ich zunächst die defekte Tankanzeige reparieren.

Weil ich ja so fest glaubte, dass das Birnchen defekt war, fing ich gleich an, das Armaturenbrett zu demontieren. Ich nahm es dann ein Stück weit heraus und suchte die defekte Lampe.

Natürlich fand ich keine und langsam dämmerte es mir, dass es gar keine gibt. Ich schlug die Betriebsanleitung auf und suchte nach der Reserveanzeige, ink. Warnleuchte, doch ich fand auch da nichts.

Teils amüsiert, teils verwundert über diese Tatsache, schraubte ich das Armaturenbrett wieder zusammen und fuhr mit dem Rad und einem darauf befestigten 10-Liter-Kanister zur Tankstelle.

Für 10,50 Euro bekam ich knapp 9 Liter Diesel (= 1,169 Euro / Liter) und fuhr damit wieder zurück zum Wagen. Nach dem Einfüllen, kippte ich das Fahrerhaus und suchte die Pumpe zum Entlüften.

Ich erinnerte mich noch genau, dass ich kurz nachdem ich das Fahrzeug im Frühjahr 2013 kaufte und in der Werkstatt hatte, den Monteur genau nach dieser Pumpe fragte, er sie mir zeigte und sie auch gangbar machte.

So fand ich sie schnell, entriegelte sie und fing an zu pumpen. Bei den ersten zwei oder drei Pumpvorgängen, merkte ich, dass sie sehr leicht gingen (das war die Luft in der Tankleitung) und pumpte noch etwas weiter. Da dies das erste Mal war, dass mir das passierte, wusste ich nicht, wie lange ich pumpen sollte und hörte nach ein paar Pumpstößen auf.

Ich kippte das Fahrerhaus zurück, ließ den Wagen an und tatsächlich startete er, jedoch nur, um gleich wieder auszugehen. "Mist", dachte ich, vielleicht liegt es nicht (nur) an Spritmangel, sondern es ist die geführchtete Dieselpest oder gar ein Motorschaden?

Ich stieg noch einmal aus, kippte das Fahrerhaus erneut und pumpte noch ein paar Mal. Plötzlich vernahm ich ein leises, aber deutlich wahrnehmbares Geräusch, das sich anhörte, als ob eine Bombe aus hoher Höhe fällt, aber nicht explodiert. Das mag jetzt eigenartig klingen, aber es war auch ein sehr eigenartiges Geräusch, das ich nicht anders beschreiben kann.

Es hörte nach ein paar Sekunden auf und ich pumpte noch einmal ein paar Stöße. Wieder kam das gleiche Geräusch und ich hörte wieder auf, kippte das Fahrerhaus zurück und startete erneut den Motor. Wieder sprang er an und lief diesmal auch weiter, bis ich ihn abstellte.

Nächstes Problem

In Portugal gab es überall öffentliche Mülltonnen. Hier nur kleine Papierkörbe und Wertstofftonnen. Ich bin bereits einige Straßen mit dem Fahrrad abgefahren, habe aber keine öffentlichen Mülltonnen gesehen.

Da werde ich wohl beim nächsten Wassertanken an einem Campingplatz meinen Müll entsorgen müssen. Ich hätte auch kein Problem damit ihn zu einer Mülldeponie/Verbrennungsanlage zu fahren und eine Gebühr zu bezahlen, wenn es hier so etwas gibt. Das hatte ich in der BRD ja auch gemacht und dafür maximal 5,- Euro bezahlt (manchmal auch nichts, je nachdem, wer gerade an der Kasse saß).


So, das soll es erst einmal gewesen sein. Eigentlich habe ich keine Zeit, um Beiträge zu schreiben, jedoch lag es mir auf dem Herzen, den Landeswechsel mitzuteilen.

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